Die Macht der Gewohnheit

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Jeder Mensch kennt Gewohnheiten und besitzt einige davon. Die meisten sind sich ihrer Gewohnheiten allerdings nicht bewusst und erkennen sie auch nicht als solche. Doch ohne Gewohnheiten könnten wir unseren Alltag nicht bestreiten. Wir brauchen sie, wie die Luft zum Atmen. Sie geben uns Sicherheit und Struktur, zwei Aspekte, die wir in der heutigen Zeit nicht missen wollen.

Doch leider gibt es bei den Gewohnheiten gute und auch schlechte. Während die guten Gewohnheiten uns fördern und im Alltag unterstützen, können uns die schlechten Gewohnheiten sogar teilweise schaden, wenn wir sie nicht ablegen. Das wissen die meisten und nehmen sich immer wieder vor (vor allem zum Jahreswechsel), die schlechten Gewohnheiten sein zu lassen. Doch in den meisten Fällen scheitern sie kläglich bei dem Versuch. Kennen Sie das auch?

Damit Ihnen das zukünftig nicht mehr passiert, erfahren Sie hier, was genau Gewohnheiten sind und welchen Sinn diese haben. Anschließend erfahren Sie, wie Sie Ihre schlechten Gewohnheiten erfolgreich ablegen können. Und zum Schluss erhalten Sie eine Anleitung, wie Sie sich neue Gewohnheiten aneignen und diese dauerhaft beibehalten können.

Was ist unter Gewohnheiten zu verstehen?

Bei Gewohnheiten handelt es sich um Denk- beziehungsweise Verhaltensweisen, die über einen langen Zeitraum eingeübt wurden. Dies geschieht zum größten Teil unbewusst. Die Tätigkeiten oder Denkprozesse geschehen bei Gewohnheiten automatisch. Das bedeutet, dass Sie nicht darüber nachdenken. Solche automatisierten Tätigkeiten sind beispielsweise, sich nach dem Toilettengang die Hände zu waschen oder das Rauchen nach dem Essen.

Je nach Person gestalten sich die Gewohnheiten unterschiedlich. Während der eine nach dem Essen eine Zigarette raucht, hat ein anderer vielleicht die Gewohnheit nach dem Essen einen Espresso zu trinken. Auch alltägliche Routinen nach dem Aufstehen sind von Mensch zu Mensch verschieden.

Viele unserer Gewohnheiten haben wir bereits als Kinder gelernt. Beispielsweise „Gesundheit“ zu sagen, wenn jemand niest oder „Bitte“ zu sagen, wenn wir etwas möchten. Andere Automatismen erlernen wir im Laufe unseres Lebens. Entweder weil wir sie uns selbst bewusst beigebracht oder uns unbewusst dazu konditioniert haben.

Generell sind Gewohnheiten nicht schlecht. Doch oftmals tendieren wir dazu, nur die schlechten Gewohnheiten zu betrachten. Aus diesem Grund assoziieren die meisten Menschen solche wiederkehrenden Verhaltensweisen mit etwas Schlechtem. Aber es gibt bei jedem auch eine Menge guter Gewohnheiten, die uns im Alltag unterstützen und uns im Leben weiterbringen.

Welche Gewohnheiten schlecht und welche gut sind, ist ebenfalls von Mensch zu Mensch verschieden. Es kommt darauf an, ob sie demjenigen guttun oder ihm auf Dauer schaden. Meistens wissen wir jedoch genau, welche unserer Gewohnheiten schlechter Natur sind. Doch diese sich abzugewöhnen ist nicht einfach. Genauso schwierig gestaltet es sich, wenn wir uns etwas Neues und Gutes angewöhnen wollen. Wer sich schon einmal zum Jahreswechsel gute Vorsätze vorgenommen hat, weiß, wie schwierig die Umsetzung sein kann. Häufig klappt es noch die ersten paar Tage und dann ist auf einmal jeder gute Vorsatz wieder vergessen. Warum ist das so?

Um das zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, wie eigentlich die Gewohnheiten entstehen. Denn dieses Wissen stellt die Grundlage dar, sich entweder etwas abzugewöhnen oder neue Gewohnheiten anzueignen. Mit diesem Verständnis lassen sich Gewohnheiten auf Dauer ändern. Der Änderungsprozess gestaltet sich einfacher und Sie bleiben am Ball.

Wie entstehen Gewohnheiten?

Im Alltag gibt es immer wieder Tätigkeiten, über die wir nicht nachdenken müssen. Wir erledigen sie automatisch wie beispielsweise nach dem Aufstehen Kaffee kochen, anziehen oder beim Frühstücken Zeitung lesen. Wir denken erst über diese Tätigkeiten nach, wenn etwas anders ist als gewohnt und sie nicht mehr in die übliche Routine passen wollen. Daran lässt sich erkennen, dass unser Gehirn diese Tätigkeiten ohne unser Zutun automatisch steuert. Doch wie kommt es dazu?

Für diese automatische Steuerung ist das Handlungsgedächtnis in unserem Gehirn verantwortlich. Es speichert alle Bewegungen sowie Handlungen ab, die in einer bestimmten Situation erfolgreich waren. Taucht diese Situation erneut auf, greift das Gehirn auf die bereits abgespeicherten Bewegungs- beziehungsweise Handlungsabläufe zu. Dies führt dazu, dass der Mensch exakt diese Abläufe wiederholt. Je öfter dies geschieht, umso gefestigter ist der im Gehirn hinterlegte Ablauf. Demnach handelt es sich bei Gewohnheiten um einen Lernprozess, der sich über eine gewisse Zeit erstreckt.

Auf diese Weise lässt sich erklären, warum wir im Laufe der Zeit bei bestimmten Handlungen immer besser werden. Ein gängiges Beispiel hierfür ist das Erlernen eines Instruments oder einer Sprache. Je mehr wir unsere Fingerfertigkeit in Bezug auf das Instrument üben oder je mehr wir die Vokabeln einer Sprache wiederholen, umso leichter fällt uns das Spielen oder Sprechen. Denn das Gehirn verstärkt die einmal erstellten Verknüpfungen und mit der Zeit erfolgen diese Tätigkeiten wie von selbst.

Welchen Sinn haben Gewohnheiten?

Dass der Mensch Gewohnheiten hat, ist eine durchaus sinnvolle Einrichtung der Natur. Durch solche Gewohnheiten findet sich der Mensch in der Welt besser zurecht und ist lebensfähiger. Hierfür sind drei Punkte ausschlaggebend, die den Gewohnheiten einen berechtigten Sinn geben.

Energieeinsparung
Der größte positive Aspekt bei Gewohnheiten ist die Tatsache, dass sich durch Gewohnheiten Energie sparen lässt. Da wir bei automatischen Tätigkeiten nicht nachdenken müssen, arbeitet unser Gehirn energieschonender. Denn beim Denken verbrauchen wir die meiste Energie.

Sicherheit
Gewohnheiten zu pflegen, gibt dem Menschen ein enormes Gefühl an Sicherheit. Denn es liegt in der Natur des Menschen, Neuem oder Ungewohntem gegenüber argwöhnisch zu sein. Unser Gehirn ist seit Anbeginn der Menschheit so ausgelegt, dass es auf Ungewohntes mit Alarm reagiert. Es signalisiert uns, es könnte eine Gefahr auf uns lauern. Bei altbewährten positiv verknüpften Situationen hingegen reagiert unser Gehirn entspannt. Wir fühlen dementsprechend geborgen und sicher.

Struktur im Alltag
Der letzte große Punkt ist, dass Gewohnheiten unseren Alltag strukturieren. Diese Struktur benötigen wir, um uns in der immer schneller werdenden Welt zurechtzufinden. Ohne diese wiederkehrenden Handlungen würden wir schnell durch die vielen äußeren Reize gestresst werden und auf Dauer aus dem inneren Gleichgewicht geraten.

Wie lassen sich schlechte Gewohnheiten ablegen?

Viele von uns haben mit der Zeit Gewohnheiten entwickelt, die uns nicht guttun wie beispielsweise das Rauchen. Viele Raucher nehmen sich Jahr für Jahr vor, mit dem Rauchen aufzuhören. Doch leider bleibt es lediglich beim Vorsatz. Die wenigsten sehen sich in der Lage, dies auch umzusetzen. Am Beispiel des Rauchens erfahren Sie nachfolgend, wie sich schlechte Gewohnheiten ablegen lassen.

Zielsetzung
Der erste Schritt ist, sich bewusst das Ziel „Nichtraucher werden“ zu setzen. Das bedeutet, Sie müssen fest dazu entschlossen sein, nicht mehr rauchen zu wollen. Sie müssen sich selbst klarmachen, dass es sich beim Rauchen um eine schlechte Gewohnheit handelt, die Sie nicht mehr beibehalten möchten.

Überlegen Sie, warum Sie diese Gewohnheit haben
Im zweiten Schritt versuchen Sie zu verstehen, warum Sie überhaupt die Gewohnheit des Rauchens haben. Beobachten Sie, wann genau Sie zur Zigarette greifen, und machen Sie sich diese Situationen bewusst. Rauchen Sie nach Essen, wenn Sie gestresst sind, wenn Ihnen langweilig ist? Schreiben Sie sich sämtliche Situationen auf, in denen Sie rauchen.

Machen Sie sich einen Plan
Nun haben Sie analysiert, in welchen Situationen Sie rauchen. Jetzt müssen Sie sich einen Plan erstellen, um diese Gewohnheit erfolgreich abzulegen. Gehen Sie bei der Planerstellung in kleinen Schritten vor. Wenn Sie beispielsweise die Gewohnheit haben nach dem Essen eine Zigarette zu rauchen, überlegen Sie sich, wie Sie diese Zigarette durch etwas anderes ersetzen können. Dann üben Sie dieses neue Verhalten ein. Planen Sie aber auch Fehlschläge ein. Nicht alles klappt auf Anhieb. Wenn Sie diesen Schritt letztlich erfolgreich gemeistert haben, nehmen Sie sich die nächste Situation vor. Gehen Sie dabei wieder auf die gleiche Weise vor, wie Sie es bei der Zigarette nach dem Essen getan haben.

Üben Sie sich in Geduld
Bleiben Sie auf jeden Fall geduldig. Schließlich haben Sie die Gewohnheit des Rauchens über Jahre hinweg eingeübt und es kann durchaus zu „Rückfällen“ kommen. Eine im Gehirn fest verankerte automatische Tätigkeit verschwindet leider nicht über Nacht. Aus diesem Grund ist es deswegen wichtig, Schritt für Schritt vorzugehen. Der Vorteil dieser Vorgehensweise besteht darin, dass Sie mit jedem kleinen Schritt einen kleinen Erfolg verzeichnen können. Das motiviert ungemein und lässt Sie dranbleiben.

Seien Sie achtsam
Achtsamkeit ist beim Ablegen schlechter Gewohnheiten unabdingbar. Sie müssen sich immer bewusst, die einstudierte Handlungsweise ändern. Denn sobald Sie nicht mehr bewusst darüber nachdenken, was Sie tun, hat Ihre schlechte Gewohnheit wieder die Oberhand gewonnen. Um das zu verhindern, müssen Sie demnach die entsprechenden Situationen ganz bewusst wahrnehmen und steuern. Überlassen Sie keinesfalls Ihrem Gehirn die alleinige Steuerung.

Wie lassen sich gute Gewohnheiten einüben?

Gute Gewohnheiten einzuüben, gestaltet sich nicht ganz so schwierig wie das Ablegen von schlechten Gewohnheiten. Allerdings ist hier eine gehörige Portion Disziplin gefragt. Denn Sie müssen die Tätigkeit, die Sie sich auf Dauer wünschen, immer wieder routiniert durchführen, bis Ihr Gehirn die automatische Steuerung übernimmt.

Es gibt viele Menschen, die sich wünschen, sie könnten den Tag wesentlich früher beginnen. Doch es bleibt bei dem Wunsch, denn das frühe Aufstehen stellt für die meisten ein großes Problem dar. Anhand dieses Beispiels erfahren Sie nun, wie Sie sich die Gewohnheit des frühen Aufstehens aneignen können.

Machen Sie das frühe Aufstehen zu einer Routine

Das klingt zunächst einfacher als es ist. Aber es gibt hier zwei Tipps, die Ihnen bei Ihrem Vorhaben helfen.
Der erste Tipp lautet: Stellen Sie Ihren Wecker nicht direkt ans Bett, sondern so weit entfernt auf, dass Sie aufstehen müssen, um ihn auszumachen. Sind Sie erst einmal aufgestanden, kommt Ihr Kreislauf schon etwas ins Schwung. Allerdings müssen Sie hier diszipliniert bleiben und dürfen sich natürlich nicht wieder ins Bett legen. Gehen Sie einfach sofort zu Ihren morgendlichen Tätigkeiten über, nachdem Sie Ihren Wecker ausgeschaltet haben.
Der zweite Tipp gestaltet sich etwas sanfter, benötigt aber mehr Zeit. Stellen Sie Ihren Wecker zehn oder fünfzehn Minuten früher als sonst. Dies behalten Sie eine Woche bei und in der darauffolgenden Woche stellen Sie Ihren Wecker eine halbe Stunde früher und stehen eine Woche lang zu dieser Uhrzeit auf. Auf diese Weise erreichen Sie die von Ihnen angestrebte Zeit, zu der Sie aufstehen möchten.

Belohnen Sie sich

Wenn Sie jemand sind, der sich durch Belohnungen motivieren lässt, überlegen Sie sich etwas. Das kann beispielsweise der Kauf eines Buchs sein, eine Leckerei oder ein Besuch im Kino. Wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben, gönnen Sie sich Ihre Belohnung und genießen Sie sie. Sie können sich zudem auch bei erreichten Zwischenzielen, etwas Schönes in Aussicht stellen. Beim Beispiel des frühen Aufstehens wäre ein Zwischenziel, dass Sie eine Woche zu einer etwas früheren Uhrzeit als üblich aufgestanden sind.
Durch die Belohnung tun Sie nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern auch Ihrem Gehirn. Es ist dann schneller in der Lage, das frühe Aufstehen als etwas Gutes abzuspeichern und abzurufen, da es dies mit etwas Positivem verknüpft.

Identifizieren Sie Ihre Auslöser

Überlegen Sie sich, welches Ihre Auslöser sind, um sich eine gute Gewohnheit anzueignen. Denn Ihr Gehirn benötigt einen guten Grund, um eine neue Gewohnheit zu akzeptieren. Haben Sie keinen triftigen Grund, wird es schwierig mit der Umsetzung des Vorhabens. Deswegen sollten Sie sich vorab Zeit nehmen, um sich zu überlegen, warum Sie diese neue Gewohnheit einüben möchten.

Gründe können, beispielsweise auf das frühe Aufstehen bezogen, sein:

  • Sie möchten morgens mehr Zeit für sich haben.
  • Sie sind morgens leistungsfähiger und wollen das nutzen.
  • Sie möchten mehr vom Tag haben.

Wenn Sie Ihren persönlichen Grund gefunden haben, sollten Sie sich diesen immer wieder vor Augen führen. Vor allem dann, wenn Sie versucht sind, Ihre Vorhaben sein zu lassen. Auch beim Einüben von guten Gewohnheiten gilt, bleiben Sie geduldig und achtsam. Überlassen Sie nicht Ihrem Gehirn die Regie, sonst fallen Sie wieder in alte Muster zurück. Machen Sie sich Ihre Handlungen bewusst und führen Sie diese achtsam durch.
Lassen Sie sich vor allem nicht durch „Rückfälle“ verunsichern und bleiben Sie weiterhin am Ball.

Überlegen Sie sich allerdings gut, welche Tätigkeiten Sie als neue Gewohnheit etablieren wollen. Denn haben Sie diese einmal eingeübt, wird es schwierig, sie wieder abzulegen. Denn Ihr Gehirn liebt Veränderungen nicht, wird sich erst einmal gegen Sie wenden und Ihr Vorhaben, die Gewohnheit wieder abzulegen, boykottieren.

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