Made in Germany – mehr als nur ein Gütesiegel

Made in Germany
Made in Germany

Geschichte

Von der Warnung zum Verkaufsargument

Als die Industrialisierung ihren Weg nach Deutschland fand, begannen deutsche Firmen immer mehr Produkte ins Ausland zu exportieren, vor allem nach Großbritannien. Meist setzten die Deutschen dabei aber auf Plagiate und billige Kopien. Zum Beispiel wurden die Messer aus dem englischen Sheffield von deutschen Firmen in Massenproduktion kopiert. Während die englischen Produkte meist handgemacht und von höchster Qualität waren, sind die deutschen Messer und Scheren meist stumpf und von schlechter Qualität gewesen. Infolgedessen beschloss England am 23. August 1887 den „Merchandise Marks Act“, der deutsche Hersteller dazu zwang „Made in Germany“ auf ihre Produkte zu schreiben. Dies sollte der englischen Bevölkerung als Warnhinweis dienen. Das Ganze gipfelte darin, dass der Preisrichter Franz Reuleaux auf der Weltausstellung 1862 deutsche Produkte als „billig und schlecht“ bezeichnete. Dies bewegte die Deutschen zu einer Kehrtwende, sodass sie anfingen immer bessere, qualitativ hochwertigere Produkte herzustellen. Diese wurden bald so gut, dass sie die englischen an Qualität sogar überboten. Die Briten fingen nun an vermehrt nach deutschen Produkten zu greifen. So etablierte sich „Made in Germany“ mehr und mehr als eine Art Gütesiegel.

Made in Germany heute

Noch heute hat das Gütesiegel nichts an seinem Ruf eingebüßt. Deutsche Produkte, vor allem Autos, werden im Ausland sehr geschätzt. Mit „Made in Germany“ verbindet man hohe Qualität, lange Lebensdauer und deutsche Ingieneurskunst. Vor allem Südkorea sieht in den Deutschen eine Art Vorbild, seien es die Produkte, die deutsche Pünklichkeit. Messer aus Solingen sind dort so gefragt, dass gerne mal das Doppelte wie in Deutschland gezahlt wird und das Dreifache wie für ein koreanisches. Aber nicht nur Autos und Messer sind die deutschen Spitzenreiter, Faber Castell zum Beispiel ist der größte Hersteller an Buntstiften weltweit. Das Unternehmen hat sich vom klassischen deutschen Mittelstand zum börsennotierten Marktführer hochgearbeitet. Und auch in anderen Bereichen wie Spielzeug, Haushaltsgeräten, Technik wie z.B. Soundsystemen oder einfachen Pflegeprodukten greifen die Menschen immer mehr zu „Made in Germany“, das heute mehr denn je als Synonym für gute Qualität gilt.

Made in Germany

Bekannte deutsche Firmen und ihre Geschichte

Faber Castell

Kaspar Faber begann 1761 in Stein Bleistifte herzustellen. Sein Nachfolger Lothar von Faber führte 1851 eine Bleistiftnorm ein, die richtungsweisend für die gesamte Industrie werden würde. Der heute bekannte Firmenname „Faber Castell“ entstand durch die Heirat von Lothars Enkelin mit Alexander Graf Castell-Rüdenhausen. Als die Firma 1948 den technischen Bleistift TK einführte, gelang ihr der internationale Durchbruch. Heute beschäftigt die Firma ca. 8000 Mitarbeiter und stellt über 2 Milliarden Holzstifte her. Sie besitzen Handelsvertretungen in 120 Ländern und haben mit der Fabrik in Sâo Carlos die weltweit größte bei der Herstellung von Stiften.

Zwilling J. A. Henckels

Am 13. Juni 1731 ließ der Messerschmied Peter Henckels, „Zwilling“ in die Solinger Messermacherrolle eintragen. Dies geschah im Sternzeichen Zwilling, daher der Name. Die kleine Schmiede wuchs schnell an und hatte 1818 ihr erstes Geschäft in Berlin. 1883 eröffnete ein Geschäft in New York und ein Jahr später kam eines in Wien hinzu. Das Unternehmen wuchs immer schneller weiter an, sodass 1897 gleich zwei Filialen in Kopenhagen und Rotterdam eröffneten. In den 1920ern war Zwilling mit 1200 Betriebs- und 1500 Heimarbeitern der weltgrößte Schneidwarenhersteller. Zwilling stellt aber nicht nur Messer her, für die sie auf der ganzen Welt berühmt sind, bekannt sind sie auch für Kochgeschirr, Scheren, Küchenhelfer oder Besteck. Kunden auf der ganzen Welt verbinden die Zwilling-Produkte „Made in Germany“ mit höchster Qualität und langer Lebensdauer. Heute hat Zwilling mittlerweile Betriebe in über 100 Ländern und machte 2015 einen Umsatz von 762 Millionen Euro. Das Unternehmen beherbergt über 3800 Mitarbeiter und gehört zu einem der ältesten überhaupt.

Lautsprecher Teufel Gmbh

Lautsprecher Teufel erblickte 1980 durch Gründer Peter Tschimmel das Licht der Welt. Es startete mit fertigen Bausätzen die Reihen LT 1 bis LT 4. 1987 brachte es mit dem Lautsprecher M 200 und dem Subwoofer M600 das erste eigene, fertig aufgebaute System heraus. 2006 übernahm der Finanzinvestor Riverside die Firma von Tschimmel und Thorsten Reuber wurde neuer Geschäftsführer. Er legte den Fokus der Firma mehr auf den Onlinemarkt. Wenig später, im Jahre 2010 wurde die Firma von HG Capital übernommen und mit Edgar van Velzen als neuer Geschäftsführer, steuert die Firma den internationalen Markt an. Im selben Jahr kommt auch das Start-Up Raumfeld hinzu, das Streaming und Multiroom Lautsprecher vertreibt. Teufel hat mittlerweile mehrere Standorte, z.B. in Hamburg (Lager und Logistik) und Dongguan (China). 2016 änderte sich die Geschäftsführung ein weiteres Mal und seitdem wird die Firma von Sasha Mellah und Joachim Wimmer geleitet. Auch Teufel trägt „Made in Germany“ zurecht als Gütesiegel. Die Käufer vertrauen beim Kauf auf einwandfreien Sound, Stabilität und lange Lebensdauer und werden auf keinen Fall enttäuscht.

Miele & Cie. KG

Am 1. Juli 1899 wurde Miele von Carl Miele und Reinhard Zinnkan in Gütersloh gegründet. Das Unternehmen startete mit der Herstellung von Milchzentrifugen und Buttermaschinen, entwickelte aber noch im selben Jahr die erste Waschmaschine. Miele stellte immer mehr Produkte wie Fahrräder und Wringmaschinen her, was sie 1914 zur größten Spezialfabrik Deutschlands machte. 1927 produzierten sie auch Staubsauger und 2 Jahre später die erste elektrische Geschirrspülmaschine Europas. Neben Fahrrädern stellten sie auch Motorräder her und wurden schnell zu dem größten Hersteller Deutschlands. Die Produktion wurde aber eingestellt um den Fokus auf Geschirrspülmaschinen zu legen. Im Jahre 1982 machte das Unternehmen einen Umsatz von 1.650 Millionen DM. Miele fing auch an, sich auf Küchen zu spezialisieren, baute Küchenmöbel und Einbauküchen. 2005 wurde die Produktion aber wieder eingestellt. Heute produziert Miele in 12 Werken in Rumänien, Tschechien, China und Österreich.

Montblanc

August Eberstein sammelte als Ingenieur in Amerika sehr viel Erfahrung mit Schreibgeräten und fing 1906 selbst an in Berlin Füllfederhalter zu produzieren. Gemeinsam mit dem Kaufmann Alfred Nehemias exportierte er die Füller weltweit. Zusammen mit Johannes Voß wurde 1907 die „Simplo Filler Pen Co Max Koch“ gegründet. Ihre ersten Füllfederhalter mit Schiebesystem, die unter dem Namen „Simplo Pen“ produziert wurden, erzielten so große Erfolge, dass sogar Staedler und Faber Castell bei SIMPLO produzieren ließen. 1910 wurde der erste Füller mit dem Namen Montblanc angeboten, was später der Firmenname werden sollte. Dadurch entstand auch das Symbol der Firma, ein weißer Stern. Dieser symbolisiert die sechs Täler des Berges Montblanc. 1919 wurde ein reines Montblanc-Geschäft in Hamburg eröffnet und weitere folgten in Köln, Breslau und Berlin. Das wohl wichtigste Produkt entstand 1924, das Meisterstück ist die hochwertigste Linie von Montblanc und besitzt eine lebenslange Garantie. Bis heute ist das Design fast unverändert. Obwohl Füller noch heute das Hauptprodukt der Firma sind, stellt sie mittlerweile auch Schmuck, Accessoires und Uhren her.

Fazit

Was macht „Made in Germany“ aus ?

An den oben genannten Beispielen läßt sich ein Muster erkennen. Die Unternehmen, die „Made in Germany“ zu dem machten, was es heute ist, gehörten meist dem Mittelstand an und nur manche wurden zu großen börsennotierten Unternehmen. Was die Produkte aber ausmacht, ist die Handwerks- und Ingenieurskunst, für die Deutschland noch heute einen sehr guten Ruf genießt. Seitdem deutsche Produkte mit der Warnung abgestraft wurden, haben sie sich verändert. Anstatt weiterhin billige Stangenware zu produzieren, setzten sie auf Handarbeit und schafften es, sich mit weltweit bester Qualität einen Ruf zu erarbeiten, der bis heute erhalten blieb. Etwas ähnliches zeichnet sich auch heute in China ab. „Made in China“ ist heute das, was „Made in Germany“ früher war. Sieht man es, denkt man an billig, aber schlechte Qualität. Aber auch dies scheint sich langsam zu ändern. Nimmt man zum Beispiel Huawei, den chinesischen Smartphone-Hersteller, sieht man etwas ähnliches wie damals in Deutschland. Früher galten diese Smartphones als Billighandys und heute zählen sie zu den Top-Smartphones und messen sich mit Apple und Co. „Made in Germany“ bleibt aber weiterhin, was es bis heute ist und steht immer noch für das, was Deutschland ausmacht: Qualität und Handwerkskunst.