Liebeskummer erfolgreich bewältigen – Grundlage für ein neues Glück

Frau einsam am Fenster

Es gibt kaum einen Menschen, der nicht schon einmal Liebeskummer erlebt hat oder unglücklich verliebt war. In diesem Zustand liegt für uns die Welt in Scherben, wir ziehen uns zurück und unsere Mitmenschen können uns nur noch schwer oder gar nicht mehr erreichen. Für die erste Zeit ist dieser Zustand auch völlig legitim. Problematisch ist es, dass bei akutem Liebeskummer auch unser Selbstwertgefühl und unser Selbstbewusstsein leidet bzw. schwer angegriffen ist.

Nach einer Trennung sollte nach dem „Notfallprogramm“ der erste Schritt immer derjenige sein, zu verstehen, was eigentlich passiert ist und dies auch zu verarbeiten. Das mag vielleicht profan klingen, aber es ist die Grundlage für alle weiteren Aktionen, die uns wieder in die Zukunft blicken lassen.

Man muß zunächst lernen, die Perspektive zu wechseln und sich aus seiner Situation heraus zu begeben, denn unsere eindimensionale Sichtweise hindert uns oft daran, nach vorne schauen zu können. So erkennen wir, was gerade vor sich geht und wo und in welcher Weise wir in unseren Gedanken und Gefühlen feststecken. Das Gelingen dieses Prozesses ist elementar. Denn dann schafft man es auch, den Ex-Partner leichter loszulassen und sein eigenes Leben wieder zu ergreifen. Das schmerzhafte Phänomen des Verlustes des Selbstbewusstseins wirft uns in ein tiefes Loch, aus welchem wir lernen müssen wieder herauszukommen.

Dies gelingt, indem wir als erstes lernen wieder uns selbst zu lieben. Selbstliebe ist notwendig um sich wieder ein Selbstbewusstsein aufzubauen. Sich selbst zu lieben bedeutet, all seine Stärken und Schwächen zu kennen, zu akzeptieren und sich genauso zu lieben, wie man ist.

Wer sich selbst liebt, kann nie wieder so verletzt werden, wie es jetzt gerade vielleicht geschehen ist.

Man kennt seine Grenzen, kann sie anderen gegenüber aufzeigen und niemand kann sie mehr überschreiten. Wer sich aufrichtig liebt, kommt nicht nur schneller über die Trennung hinweg, sondern schafft bereits die Grundlage für eine neue, glückliche Beziehung. Mit solch einer Basis wird man sich emotional nicht mehr von seinem Partner abhängig machen, denn man weiß, was man wert ist und ist deshalb nicht von der Liebe eines anderen Menschen abhängig.

Besonders bedeutsam ist dieser Schritt, wenn wir lange in einer Beziehung gewesen sind, denn dann verlieren wir nicht nur unseren Partner, sondern unser ganzes Lebenskonzept, d.h. wir müssen uns darüber klar werden, was unsere Ziele sind und was wir im Leben wirklich wollen.

Das setzt voraus, dass wir unseren Ex-Partner loslassen und lernen uns selbst genug zu sein, auch ohne Partner. Dann sind wir in der Lage bzw. bereit uns wieder auf eine Beziehung einzulassen, die die Chance hat glücklich, harmonisch und beständig zu werden.

Aber bevor wir für einen solchen Prozess wieder aufgeschlossen sind, benötigen wir zunächst einmal ein „Notfallprogramm“, dass wiederum in mehreren Schritten vollzogen werden kann bzw. sollte. 

  1. Im allerersten Trennungsschmerz helfen meist noch keine ausgefeilten Strategien oder strikte Versuche, alles mit Fassung zu tragen, Haltung zu bewahren. In den ersten Tagen und Wochen, wenn der Schock noch tief sitzt, darf man sich dem Schmerz und der Trauer über den Verlust noch hemmungslos hingeben. Zu diesem Zeitpunkt ist es angesagt, alle Gefühle herauszulassen: Heulen, Schreien , Schluchzen und unendlich viele Taschentücher zu verbrauchen – alles ist erlaubt. Und in dieser Phase ist es wichtig, den Schmerz, die Wut, die Enttäuschung anzunehmen, denn nur dann kann man die Trennung richtig verarbeiten. Vielen Menschen hilft es auch, ihre Gefühle in einem Tagebuch aufzuschreiben oder Briefe zu verfassen, denn auch so kann man die Vergangenheit reflektieren und verarbeiten.
  2. Es hilft niemanden, wenn man seinen Kummer mit sich alleine ausmacht und das über längere Zeit. Sprich über deine Empfindungen: die Wut auf den Ex-Partner, die Traurigkeit, die Verletzungen. Man hat in dieser Situation die Erlaubnis, in Selbstmitleid zu baden und seine Umgebung immer mit dem gleichen Thema zu belästigen. Trotz allem sollte man aber auch ein Gespür dafür entwickeln, wann es genug ist. Sonst könnte es sein, dass man zu allem Kummer auch noch gute Freunde verliert. Freunde können einem helfen, die Angelegenheit einmal aus einer anderen Sichtweise zu betrachten. Wichtig ist es, seinen eigenen Rhythmus zu finden und sich nicht fremd bestimmen zu lassen.
  3. Viele Menschen neigen dazu, den ehemaligen Partner zu idealisieren, ihn im Rückblick zum Traumprinzen zu stilisieren, sich ein Bild zu erschaffen, das der Realität nicht standhält. Aber immerhin hat er einem das Herz gebrochen, ein Status, der ihn nicht dazu prädestiniert, als die schönste und größte Liebesgeschichte in die eigene Biographie einzugehen. Schreib dir lieber eine Liste mit allem, was dich an ihm und der Beziehung gestört hat. Mach dir auch seine negativen Seiten bewußt. Denn wenn es einem gelingt, objektiver in seinem Urteil zu werden, wird auch der Schmerz mit der Zeit weniger.
  4. Selbst wenn man vielleicht das Gegenteil will: Es ist in jedem Fall besser, den Kontakt zum Ex-Partner zu minimieren oder zumindest für eine Zeit ganz einzustellen. Oft entstehen sonst aus verschiedenen Gründen Hoffnungen auf einen Neuanfang, der in den meisten Fällen unrealistisch ist. Deshalb ist es heilsam, sich nicht mit dem Ex zu treffen, wenn es nicht sein muß.Das erzeugt nur unnötigen Stress und Schmerz. Hingegen ist es wichtig, alle Dinge einzusammeln, die an den Ex-Partner erinnern, in einen Karton zu packen und einen Ort zu stellen, den man nicht oft aufsucht. Später, wenn der Schmerz vergangen ist, können Erinnerungen jedoch auch etwas Schönes sein. Darüberhinaus ist es sinnvoll, alle Telefonnummern zu löschen und den Ex-Partner auf keinen Fall zu stalken.
  5. Generell hilft es nicht, die Gedanken ständig um den Verlust und den Schmerz kreisen zu lassen. Deshalb ist es gut, von Zeit zu Zeit den Versuch zu wagen und sich abzulenken. Man sollte sich darauf besinnen, welche Dinge man vor der Zeit mit seinem Partner gerne gemacht hat und die in der Partnerschaft evtl. zu kurz gekommen sind. Wie sieht es mit Lesen oder Malen aus? Oder kochen, Fotos machen, Sport, Handarbeiten oder eine neue Sprache lernen? Es gibt unzählige Möglichkeiten. Aber man sollte sich auch nicht überfordern, sondern es langsam angehen lassen und seinen Ideen freien Lauf lassen. Die Devise heißt jetzt: man darf sich verwöhnen und es sich gut gehen lassen. Das hilft auch das angeschlagene Selbstbewusstsein wieder aufzubauen!
  6. Es ist nicht unbedingt hilfreich, die Schuld nur bei sich selbst zu suchen. Vielleicht haben sich auch die Rahmenbedingungen, die gemeinsamen Ziele und Wünsche geändert. Und dann kann es manchmal sein, dass die Wege getrennt weitergehen, was letztendlich in vielen Fällen auch gut sein kann, selbst wenn man es jetzt noch nicht wahrhaben will.

Menschen, die Liebeskummer haben, sind aufgefordert, intensive Trauerarbeit zu leisten. Aber anders, als wenn ein Partner gestorben ist, ist derjenige, der den Kummer verursacht, paradoxerweise gleichzeitig auch der Täter. Die Seele muß diese Trauerarbeit aber unbedingt leisten und braucht in dieser Zeit den dafür nötigen Freiraum um wieder eine solide Basis für die Zukunft zu schaffen. 

Es gibt allerdings Fälle, in denen ein Mensch aus eigener Kraft aus seinem Tal nicht mehr herausfindet. Dann muß man sich ggfs. überlegen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bei manchen steht auch die Intensität und die Dauer des Liebeskummers in keinem Verhältnis zur Dauer der Beziehung. Das kann z.B. darauf hindeuten, dass es schon in der frühen Kindheit und später Trennungserlebnisse gab, die unbewußt weiter präsent sind und dann im Erwachsenenalter aus gegebenem Anlass wieder zum Ausbruch kommen bzw. an die Oberfläche. Dann müssen diese existentiellen Trennungserlebnisse primär bearbeitet werden.

Für viele Menschen mag es auch verlockend sein, ihren Kummer in Alkohol zu ertränken oder zur Beruhigung Medikamente zu nehmen. Aber beides ist keine Lösung, sondern verstärkt die bestehenden Probleme nur noch mehr. Also widerstehe unter allen Umständen dieser Versuchung!

Wir sehen, dass Liebeskummer zu verarbeiten, eine große Herausforderung ist und vor allem Zeit braucht. Die einen brauchen eine lange Zeit um sich von der Zurückweisung zu erholen und die Trennung zu bewältigen, anderen gelingt es in einem kürzeren Zeitraum. Deshalb ist es wichtig, dass jeder die für ihn passende, individuelle Herangehensweise findet um alles zu verarbeiten. Speziell zwischen den Geschlechtern gibt es da große Unterschiede: Männer und Frauen trauern verschieden. 

Aber auch, wenn man es zu dem Zeitpunkt noch nicht glauben will, gilt auch hier: Die Zeit heilt alle Wunden. Mit jedem Schritt, mit dem man sich wieder seiner Umwelt, seinen Mitmenschen zuwendet, seine Energie in die Zukunft transformiert, wird es leichter. Und nur dadurch, dass man sich der Problematik gestellt, sie wie ein Projekt bearbeitet hat, schafft man eine tragfähige Grundlage für eine neue Beziehung.

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