Interview: Wie der Instagram-Algorithmus unseren Feed durcheinander bringt

von Dezember 7, 2017 Business
Der Instagram Algorithmus

In einer gefühlt längst vergangenen Zeit funktionierte die Plattform Instagram anders als heute. Das Prinzip war einfach: Foto hochladen, bearbeiten, posten und – schwupp – schon ist es im Feed aller Leute, die dem Account folgen. Es war diese Einfachheit, die viele anfangs an der Plattform schätzten. Im Gegensatz zu Facebook gab es keine undurchsichtigen Reihungen der Inhalte. Wer zuerst postet, war zuerst sichtbar. Doch diese Zeiten sind vorbei. Im Sommer 2016 wurde auch auf Instagram ein ähnliches System eingeführt. Das Prinzip gleicht Facebook: Der Instagram-Algorithmus entscheidet – nach seinen eigenen Regeln – welche Inhalte besonders relevant für die jeweiligen User sind und reiht diese im Feed voran. Das heißt auch, dass als weniger relevant eingestufte Posts an Sichtbarkeit verlieren. Nicht mehr wir selbst bestimmen durch das Folgen bestimmter Accounts, was wir sehen, sondern Instagram trifft eine Vorauswahl.

Obwohl diese Umstellung schon eine Weile zurück liegt, stößt sie vielen Instagramnutzern noch immer sauer auf – vor allem jenen, die Instagramberuflich nützen. Auch Blogger Niklas (@niklasxdr) aus Wien kämpft mit den Folgen der neuen Ordnung im Feed. TheMan hat ihm dazu einige Fragen gestellt.

TheMan: „Hey Niklas, auch du hast dich schon öfter über den Instagram-Algorithmus geärgert. Was genau bewirkt er für dich und andere Influencer bzw. Blogger?“

Niklas: „Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Könnt ihr euch noch an das gute alte Instagram erinnern? Foto machen, Filter drüber, ein paar Hashtags dazu und schon wurde gepostet. Damals war dein Foto unmittelbar nachdem du es hochgeladen hast, ganz oben im Feed deiner Follower zu sehen. „Eh ganz logisch“, werden sich die meisten jetzt denken. Doch seitdem es nicht nur auf Facebook, sondern jetzt auch schon bei Instagram einen Algorithmus gibt, werden die Bilder nicht mehr in chronologischer Reihenfolge, sondern total durchgemischt oder gar nicht mehr angezeigt.“

TheMan: „Und wovon hängt es ab, wie weit oben dein Bild im Feed deiner Follower angezeigt wird?“

Niklas: „Die Liste ist lang. Wann hast du gepostet? Wie viele Likes und Kommentare bekommt dein Foto?Letztendlich führt diese Einführung und ständige Erneuerung beziehungsweise Aktualisierung des Algorithmus dazu, dass dein Foto manchmal sogar erst Tage später oder im worst case gar nicht im Feed deiner Follower erscheint.“

TheMan: „Was hat das für Folgen für dich?“

Niklas: „Ein enormer sprunghafter Rückgang der Reichweite, also die Anzahl individueller Konten, die deinen Beitrag gesehen haben. Folglich sinken auch die Impressionen und Interaktionen, wie Likes, Kommentare, Saves. Weniger Interaktion auf deinem Profil – weniger neue Follower. Eines führt zum anderen.“

TheMan: „Was hältst du davon?“

Niklas: „Ich halte gar nichts davon. Ich stecke so viel Zeit und Arbeit in jedes einzelne meiner Fotos. Wofür? Dafür, dass die Hälfte meiner Follower die Fotos nicht mal sehen. Erst kürzlich habe ich eine Umfrage gemacht, an der ca. 1200 meiner Follower teilgenommen haben. Ich habe sie gefragt, ob sie denn meine letzten paar Bilder gesehen haben. 52% haben mit „nein“ gestimmt. Das heißt, 52% der Leute, die mich abonniert haben, um meine Fotos zu sehen, sehen meine Fotos nicht. Well…“

TheMan: „Was glaubst du, steckt da dahinter?“

Niklas: „Wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung. Eine gute Freundin von mir, die ebenfalls Bloggerin und (was für ein Wunder) auch von dem Problem betroffen ist, hat’s folgendermaßen begründet: Mit dem Instagram-Algorithmus wird ein Rückgang der Reichweite bei sämtlichen Accounts bezweckt. Das betrifft nicht nur Influencer und Blogger, sondern auch Unternehmen. Heutzutage ist für jedes Unternehmen ein gutes Auftreten auf Instagram extrem wichtig. Die Plattform ist eine gute Werbefläche. Um mehr Reichweite zu generieren, die von Instagram bewusst immer weiter runtergesetzt wird, investieren Unternehmen immer mehr Geld für Werbung.“

TheMan: „Was wünschst du dir für die Zukunft?“

Niklas: „Diese Frage ist leicht zu beantworten: „good-old“ Instagram von 2012 ohne Algorithmus!“