Freihandel: Wohlstand für alle? – Eine Erklärung

von Juni 26, 2018 Wissenschaft
Freihandel

Dieser Beitrag befasst sich mit dem Thema Freihandel in einer neutralen Art und Weise und versucht, den komplexen Sachverhalt objektiv und vereinfachend darzustellen, damit insbesondere Leser, welche sich nur am Rande für wirtschaftswissenschaftliche Zusammenhänge interessieren, einen Einblick in die Theorie bekommen und gleichzeitig ein Verständnis für das viel diskutierte Thema entwickeln können.

Was ist Globalisierung?

Während der Begriff Globalisierung früher bei den meisten Menschen positive Konnotationen hervorrief, wird er heute mehr und mehr skeptisch gesehen. Der Begriff Globalisierung meint die immer engere Verflechtung von Wirtschaft und Politik, aber auch andere Bereiche wie z.B Kultur über den gesamten Planeten hinweg ohne dabei vor nationalen Grenzen halt zu machen. Der Freihandel nimmt innerhalb dessen eine besondere Bedeutung ein und wird mitunter als einer der wichtigsten Faktoren für Wohlstand angesehen. Doch was sind die Ursachen, warum immer mehr Menschen den Freihandel eher kritisch sehen? Dieser Frage wollen wir uns in den nächsten Absätzen nähern.

Internationale Arbeitsteilung

Oft ist die Rede von „internationaler Arbeitsteilung“, diese Phrase veranschaulichen wir uns mit einem einfachen Beispiel. Angenommen ein Maurer, ein Malermeister, ein Dachdecker und ein Schreiner wollen sich ein eigenes Haus bauen. Jeder könnte sich nun seine eigenen vier Wände errichten und am Ende stehen alle Häuser und jedes einzelne ist im entsprechenden Qualifikationsbereich des Handwerkers besonders gut, in den anderen Bereichen aber deutlich schlechter. Alternativ können sich die Handwerker aber auch zusammenschließen und jeder macht für den jeweils Anderen den Teil des Hauses, welchen er am besten beherrscht. Das Resultat wäre für jeden ein Haus, welches den Qualitätsmaßstäben des jeweiligen Handwerks entspräche und am Ende haben alle ein besseres Haus, obwohl sie gleich viel gearbeitet haben.

Comparative Advantage

Der gleiche Gedanke liegt dem Freihandel zwischen den Ländern zugrunde. Deutschland ist beispielsweise in vielen Bereichen der Technologie Weltmarktführer und berühmt für seine Premiummarken in der Automobilindustrie. Frankreich hingegen insbesondere für erstklassige Produkte im Bereich Mode und Duft, die Schweiz für Schokolade, Uhren und Medizintechnik und die Vereinigten Staaten für innovative Produkte im Datenbereich und Forschung im pharmazeutischen Bereich. Diesen Vorteil einzelner Länder über andere, nennt man Comparative Advantage. Gäbe es keinen Handel zwischen den Ländern der Welt, würden uns sehr viele Produkte und Dienstleistungen, welche alle von uns täglich nutzen, vorenthalten bleiben und unser Wohlstand würde demzufolge sinken.

Freihandel: Wer macht was?

Wie aber bekannt ist, gibt es unterschiedlich entwickelte Volkswirtschaften auf der Erde; diese lassen sich in Entwicklungsländer, Schwellenländer und industrialisierte Länder unterteilen. Während in Entwicklungsländern, welche zum Großteil auf dem afrikanischen Kontinent liegen, die Wirtschaft durch den landwirtschaftlichen Sektor dominiert wird, sind Schwellenländer insbesondere von der Güterproduktion abhängig. In den hochentwickelten Länder wie Westeuropa, Nordamerika, Australien, Neuseeland und Japan wird die Wirtschaftskraft primär jedoch über den Dienstleistungssektor erwirtschaftet und die anderen Bereiche spielen nur noch eine untergeordnete Rolle für die Wirtschaftskraft des jeweiligen Landes. Die optimale Arbeitsteilung, welche in den vorigen Absätzen erklärt wurde, impliziert demnach, dass Forschung und Entwicklung oder Finanzdienstleistung in industrialisierten Ländern erbracht wird, in welchen sehr gut ausgebildete Arbeitskräfte zur Verfügung stehen und einfachere Arbeiten in Schwellenländern, wie beispielsweise das iPhone in Kalifornien entwickelt, aber in China zusammengebaut wird.

Fazit zum Freihandel

Die Problematik liegt woanders. Das Tempo, mit welchem sich die Menschheit derzeit weiterentwickelt, ist schneller als viele Leute mithalten können. Der LKW-Fahrer aus den USA, welcher seine Arbeit verliert, weil Tesla durch selbstfahrende LKW’s die Transportbranche revolutioniert, kann nicht in dieser kurzen Zeit zum IT-Spezialisten für Datenverarbeitung ausgebildet werden und bleibt daher arbeitslos. Die abwandernde Produktion in Schwellenländer hat genau die gleichen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Der Wohlstand, welcher in einer hoch globalisierten Welt erwirtschaftet wird, kommt immer häufiger nur einer bestimmten Gruppe zugute und viele einfache Arbeiter fühlen sich daher zurückgelassen. Das Fazit ist daher, dass Freihandel Wohlstand schafft, jedoch die Verteilung nicht stimmt.