Documenta 2017 – von Athen lernen

von Juni 13, 2017 Kultur
Documenta 2017

Die documenta ist eine der weltweit bedeutendsten Reihen von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst, findet alle 5 Jahre statt und dauert 100 Tage. Sie soll einen Querschnitt durch die zeitgenössische Kunst aus dem Blickwinkel des jeweiligen Kurators, auch künstlerischer Leiter genannt, zeigen. Die erste documenta fand 1955 statt, ihr Initiator war der Kasseler Kunsterzieher und Designer Arnold Bode.

Der Leiter der diesjährigen documenta 14 ist Adam Szymczyk.

Adam Szymczyk wurde 1970 in Polen geboren, studierte Kunstgeschichte in Warschau, arbeitete in verschiedenen Galerien und schrieb Kritiken. In den 90-er Jahren absolvierte er die Kuratorenausbildung in Amsterdam, wurde 2003 Direktor der Kunsthalle in Basel und 2008 Ko-Kurator der „Berlin-Biennale“.
Szymczyk gilt als scheu und schwer zugänglich, dennoch als absoluter Teamplayer. Die Kunst ist seine Sprache, er glaubt an die politische Kraft der Kunst.
Er verfügt über eine unbestechliche intellektuelle Brillanz und seine Ausstellungen gelten stets als eine Herausforderung, auch für diejenigen Menschen, die im Umgang mit der Kunst erfahren sind. Szymczyk hat ein intellektuelles Programm, er möchte weg von der Malerei; Reduktion, Leere, installative Arbeiten, Interventionen sind seine Ziele.
Szymczyk versteht sich als politischer Kurator, möchte die Weltlage kommentieren.
„Wir müssen wieder Verantwortung übernehmen und wie politische Subjekte handeln, anstatt das einfach den gewählten Vertretern zu überlassen“, sagte Szymczyk in Athen.

Documenta 2017 Athen

Die Documenta

Die documenta 14 findet erstmalig an zwei Orten statt: Kassel und Athen, in Kassel vom 10. Juni – 17. September, in Athen von 8. April – 16. Juli. Ca. 200 Künstler werden ausgestellt sein.
Beide Städte gelten als gleichberechtigte Gastgeber. Mit diesem neuartigen Städtekonzept konnte sich Szymczyk gegen 5 Konkurrenten durchsetzen. Mit dem Beginn in Athen wird in einem Land, das von der Finanzkrise und dem Flüchtlingsansturm gebeutelt ist, ein deutliches Zeichen gesetzt! Die Distanz zwischen Kassel und Athen wird die Erfahrung der Besucher der documenta grundlegend beeinflussen. Die weit voneinander entfernten Ausstellungen erzeugen eine geografische und mentale Verschiebung, die Verlust und Sehnsucht impliziert.
Die Künstler sind eingeladen, Arbeiten innerhalb der Dynamik zwischen den beiden Städten zu konzipieren. Sie sollen an beiden Orten tätig sein, eine Arbeit entwickeln und diese zwischen den Städten entstehende Dynamik reflektieren.
Adam Szymczyk fand die Zeit für einen Blickwechsel und eine Transformation durch einen Ortswechsel gekommen. Allerdings ist das neue Konzept in den Kritiken sehr umstritten aufgenommen worden.

Documenta 2017 Kassel

Die Entwicklung

Der Prozess der Entwicklung beider Teile der Ausstellung wirkt sich ebenso wie die verschiedenen Orte und die divergenten historischen, sozioökonomischen und kulturellen Gegebenheiten in Kassel und Athen aus wie sich zugleich die einzelnen Kunstwerke inspirieren und beeinflussen.
Der Standort Griechenland dokumentiert stellvertretend die globale Situation, signalisiert die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Schwierigkeiten, mit denen sich Europa konfrontiert sieht, adäquat. Vom Standpunkt der Metropole am Mittelmeer ausgehend, öffnet sich die documenta über den europäischen Kontext hinaus.
Angedacht ist, dass die beiden Ausstellungen nicht die Summe zweier Prozesse sein sollen, sondern in der dreijährigen Vorbereitungszeit eine gemeinsame Entwicklung durchlaufen und in einen wechselseitigen Lernprozess eintreten. Es ist gut möglich, dass in diesem Jahr in der Geschichte der documenta konzeptuell eine neue Ära eingeleitet wird. Das Zwei-Städte-Konzept und die Tatsache, dass voraussichtlich eine Million Gäste in beiden Städten die documenta 14 besuchen werden, wird in die Historie eingehen.