Die USA verhängen Strafzölle gegen die EU – Was bedeutet ein Handelskrieg für die Weltwirtschaft?

von Juni 2, 2018Business
USA Handelskrieg

Noch ist es vielleicht ein Handelskonflikt – aber sobald die andere Seite, in diesem Fall die EU, auf die von den USA erhobenen Strafzölle mit entsprechenden Gegenmaßnahmen reagiert, ist es wohl ein Handelskrieg – vorerst zwischen einer begrenzten Zahl von Beteiligten. Dabei beruht freier Handel traditionell auf gegenseitigen Verträgen und Vereinbarungen zu gegenseitigem Nutzen. Er beruht auf Angebot und Nachfrage. Strafzölle stellen in diesem Sinne Handelshemmnisse dar.

Dem Ideal nach sollte die Handelsbilanz zwischen zwei Ländern bzw. Staatenbünden einigermaßen ausgeglichen sein. Im Fall der USA und Europas ist sie es allerdings nicht. Deutschand verzeichnet dank seiner Handelspolitik Exportüberschüsse und Importdefizite. Das ist an sich nicht schlimm, zumal es auch anders gesehen werden könnte. Der amtierende US-Präsident sieht das Importdefizit allerdings mit seinen protektionistischen Augen. Mit seinen jüngst erhobenen Strafzöllen, denen sicher weitere Strafmaßnahmen speziell gegen Deutschland folgen werden, bringt er die Weltwirtschaft ins Wanken. Denn in der entstehenden Exportlücke für die mit Strafzöllen belegten Güter werden nun andere ihren Vorteil sehen und zu nutzen versuchen. Alte Handelsbeziehungen, die bislang sehr erfolgreich verliefen, werden damit obsolet.

Handelskonflikte und ihre Folgen

Die ersten Folgen von Handelskonflikten bilden sich bereits an den Börsen ab. Die Kurse reagieren empfindlich auf solche Maßnahmen. Börsenkurse sind eine Art Seismograf für weltwirtschaftliche Zusammenhänge. Internationaler Handel lebt üblicherweise von Angebot und Nachfrage. Demnach reguliert der Markt sich idealerweise selbst. Ein politischer Eingriff, der Strafzölle nach sich zieht, verschiebt jedoch die Gleichgewichte. Die Maßnahme von Strafzöllen wird zugunsten der eigenen Industrie eingesetzt. Ob sie dieser aber tatsächlich mittel-und langfristig nützt, ist fraglich. Es ist oft nicht klar, welche Interessen wirklich hinter Strafzöllen stehen. Möglicherweise sollen in Zukunft neue und bessere Handelsverträge erpresst werden. Eine andere Möglichkeit wäre, mit solchen populistischen Aktionen von innenpolitischen Problemen abzulenken.

Zunächst wirkt es bei der Verhängung von Strafzöllen so, als werde die einheimische Industrie gestärkt und vor Konkurrenten mit besseren Preisen oder Qualitäten geschützt. Letztlich treffen Strafzölle auf bestimmte Produkte zunächst nur einige Unternehmen sehr hart – nämlich diejenigen, die einen Großteil ihrer Produktion in die USA exportieren. Die derzeitigen Strafzölle auf Aluminium und Stahl haben zwar eine Schockwelle ausgelöst. Doch tatsächlich stammen Stahl- und Aluminiumexporte in die USA nur zum geringsten Teil aus Europa. Prekär wird es jedoch, wenn weitere Strafzölle folgen – zu Beispiel auf eine so beliebte Exportware wie Autos. Ein Handelskrieg schlägt Wellen, die auch andere Länder zu Aktionen veranlassen – und das bringt die bisherigen Handelsbeziehungen weltweit in eine Schieflage.

Der Einfluss von Handelskonflikten auf die Weltwirtschaft

Von Strafzöllen auf bestimmte Produkte sind in der Regel manche Branchen stärker betroffen als andere. Fakt ist, dass aber nicht die Hersteller von den verhängten Strafzöllen betroffen sein werden, sondern die Unternehmen, die mit Strafzöllen belegte Waren in die USA importieren wollen. Die Amerikaner sollen dazu angehalten werden, die günstigeren Waren aus dem eigenen Land zu nutzen. Verwenden sie trotzdem die mit Zöllen belegten Produkte, zahlt am Ende der Verbraucher die Strafzölle. Es ist anzunehmen, dass die höheren Importpreise auf die Verkaufspreise umgelegt werden.

Unklar ist, in welchem Umfang die erhobenen Zölle und die darauffolgenden Reaktionen der abgestraften Handelspartner auch dem verhängenden Land selbst schaden. Strafzölle sind in ihrer Wirkung umstritten. Sie könnten eine Rezession auslösen, mal abgesehen von politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen, die auf lange Sicht eine Abkühlung guter Beziehungen nach sich ziehen. Handelskriege ziehen meist weitere Kreise. Jedes betroffene Land sieht sich bedroht, Es schützt folglich seine wirtschaftlichen Interessen. So will auch China nun manche Waren mit höheren Zöllen belegen. Schlichtungsmöglichkeiten gäbe es durch die Welthandelsorganisation durchaus. Problematisch ist nur, dass ein Präsident wie Donald Trump nicht daran denkt, sich von irgendeiner Institution etwas vorschreiben zu lassen. Sein Weltbild ist klar protektionistisch und nationalistisch geprägt. Der Bezug zur nationalen Sicherheit, der er als bedroht sieht, macht es noch schwerer für andere, schlichtend einzugreifen.

Ungleichgewichte in der Handelsbilanz

Auf der anderen Seite wird die Weltwirtschaft nicht nur durch solche Sanktionen beeinflusst. Sie wird auch durch geopolitische Risiken wie Kriege, wachsende Konflikte zwischen den Großmächten oder die wirtschaftlichen Folgen von Umweltkatastrophen verändert. Auch diese Faktoren haben – beispielsweise über steigende Ölpreise – eine Auswirkung auf die Börsen. Steigende Preise bremsen die Konjunktur. Sie dämmen den Verbrauch. Die Konsumenten werden vorsichtiger, die Kaufkraft erlahmt. Die Konsumlaune wird schlechter. Die Inflation steigt. Es kann in der Folge zu einer Rezession kommen. Entscheidend für den Zeitpunkt solcher Entwicklungen ist die Stabilität der staatlichen Einnahmen. Eine anhaltend gute Konjunkturlage ist allerdings kein Garant dafür, dass eine Rezession ausbleibt. Erfahrungsgemäß hat das Wachstum irgendwann ein Ende. Für Ökonomen ist schwer vorauszuberechnen, was wann passieren wird. Die Folgen eines Handelskrieges sind nur modellhaft zu berechnen.

Die Ungleichgewichte in der Handelsbilanz, die als Grund für die verhängten Strafzölle herangezogen werden, sind tatsächlich real. Man hätte sie leicht ausgleichen können. Stattdessen überlegt Deutschland derzeit, die großen amerikanischen Datenkonzerne mit Digitalsteuern zu belegen, weil diese sich durch Steuertricks davon drücken, Steuern auf Gewinne in dem Land abzuführen, in dem sie diese erwirtschaften. Ungerechtigkeiten sind also auf vielen Seiten zu finden. Das Problem ist, welche Sichtweisen man auf solche Ungerechtigkeiten einnimmt. Mit der protektionistischen Sicht eines Donald Trump gerät leicht alles aus den Fugen. Zudem belasten die versprochenen Steuersenkungen und die Kosten für Infrastrukturprojekte die Bilanzen der USA. Die Schuldenlast der USA ist beträchtlich. Sie wird vermutlich zu einem gigantischen Leistungsbilanzdefizit führen. Auch das hat Folgen, die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben.

Sind Handelskriege überhaupt sinnvolle Instrumente?

Aggressive Maßnahmen gegen bestimmte Länder haben noch nie eine nachhaltig positive Wirkung auf die Weltwirtschaft gehabt. Kurzfristig zeigen sie allerdings eine Wirkung. Daher behauptet Donald Trump auch, man können Handelskriege leicht gewinnen. Sein Denken ist immer in Richtung auf einen guten Deal ausgerichtet. Die kurzzeitigen Effekte eines Handelskrieges sind aus seiner Sicht ein guter Deal für Amerika. Die Verwerfungen, die an anderen Ecken entstehen, betrachtet er nicht als sein Thema. Doch der amerikanische Protektionismus könnte, wie in den Dreißigerjahren, entscheidend dazu beigetragen, eine erneute Weltwirtschaftskrise auszulösen. Die Frage ist also: wie lange wird ein Handelskrieg aufrechterhalten? Außerdem sind auch die psychologischen Effekte solcher weltweiten Handelskrisen nicht zu unterschätzen. Wenn Menschen sich von Inflation, sinkendem Wirtschaftswachstum und einer restriktiven Geldpolitik bedroht sehen, reagieren sie darauf mit emotionell befeuerten Strategien, die der einheimischen Wirtschaft schaden.

Strafzölle treiben letztlich die Preise in die Höhe. Das wiederum beeinflusst die Inflationsrate, was eine Änderung der Investitionskraft nach sich zieht. Das Rekordhoch an den Aktienmärkten wird sich abflachen. Alle finanziellen Vermögenswerte sinken im Wert. Schlimmer noch wird das Risiko einer weltweiten Eskalation handelskriegerischer Maßnahmen gesehen. Einer fängt an. Andere fühlen sich bedroht und abgestraft und antworten mit Gegenmaßnahmen. Diese wiederum treffen auch andere Länder – und so zieht die Spirale der weltweiten Folgen immer weitere Kreise. Der Cash-Flow minimiert sich, die weltweite Nachfrage nach Exportgütern sinkt. Die Wirtschaft stagniert. Die Wertverluste an der Börse treffen Millionen von Anlegern direkt. Aktien und Anleihen wären gleichermaßen von Kursverlusten betroffen.

Wie hoch die Verluste insgesamt zu beziffern wären, ist schwer zu berechnen. Es hängt von vielen Faktoren und Unwägbarkeiten ab. Je länger ein Handelskrieg andauert, und je mehr Länder sich daran beteiligen, desto schlimmer sind die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Auch wenn ein Land sich als Gewinner sieht, verliert es durch diese Einflüsse am Ende doch. Aus der Sicht vieler Handelsexperten kann es am Ende keine Gewinner geben.

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