Das Schloss Elmau – Zauberberg des 21. Jahrhunderts

Schloss Elmau
Schloss Elmau

Seit jeher hat der Name Elmau einen besonderen Klang, der sich aber im Laufe seiner nunmehr hundertjährigen Geschichte immer wieder verwandelte – vom Ort, an den die Menschen eher vor  der Welt geflüchtet sind, hat sich das Haus zu einem der weltweit erfolgreichsten Hotels entwickelt, in dem die Welt zu Gast ist. Keiner kann sich der Magie dieses Ortes entziehen, in dem man heute Wellness und Kultur sowie Inspirationen auf höchstem Niveau erleben kann.

Geschichte

Johannes Müller, der als theologischer Exot und charismatischer Lebensreformer galt, hat Elmau im Jahr 1916 gegründet. Sein Schwager, Carlo Sattler, baute es und Elsa Gräfin Waldersee, geb. Haniel, konnte für die Finanzierung gewonnen werden. In diesen Jahren war es eine Mischung aus Kloster, Schullandheim und Sanatorium, ein weltentrücktes Refugium deutscher Innerlichkeit mit zahlreichen Ritualen, wie z.B. der Quadrille im Saal. Bei den zahlreich stattfindenden Konzerten durfte nicht geklatscht werden. Die Tischordnung wechselte täglich und man tat gut daran, sich dieser Regel nicht zu widersetzen. Die Menschen wurden von sog. Saaltöchtern bedient, die hier aus vielen Ländern zusammenfanden, und unentgeltlich arbeiteten.

Schloss Elmau

Johannes Müller wurde von seinen jüdischen Gästen geliebt, sein Wandel zum begeisterten Anhänger Hitlers war für viele Menschen jedoch nicht nachvollziehbar – ein Entschluss, den er am Ende seines Lebens zutiefst bereute. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Geistige noch mehr verdichtet, die Politik weitgehend verbannt, und das Weltanschauliche etwas tiefer „gehängt“, d.h. die Flucht in die Abstraktion angetreten. Nachdem das Hotel nach der erzwungenen Schließung durch die Alliierten und Müllers Tod 1949 durch die Erben wiedereröffnet worden war, fanden sich allmählich auch die Gäste wieder ein, und reisten diesmal u.a. aus Israel an! Zu den Künstlergästen zählten Wilhelm Kempff, Lilly Ney, Yehudi Menuhin und Benjamin Britten. Später waren Loriot, Rolf Boysen oder Johannes Rau oft und gerne zu Gast. Yehudi Menuhin bezeichnete Elmau als „Ort der Reinigung und des Sammelns“.

Schloss Elmau

Dietmar Müller-Elmau

Dietmar Müller-Elmau, Enkel von Johannes Müller und der heutige Schlossherr, wuchs zwischen zwei Welten auf. Er hatte eine kosmopolitisch geprägte Mutter und empfand Elmau schon als Jugendlicher wie ein Gefängnis, scheinheilig und verlogen, gegen das er vehement rebellierte. Er war ein hochbegabtes Kind, übersprang eine Klasse und zählte auch als Student immer zu den Besten. In Amerika, dem Land der Freiheit und des Individualismus, fühlte er sich zuhause, aber Indien, wo er sich ein einjähriges Sabbatical gönnte, wurde seine Seelenheimat.

Nach einem kurzen Elmau-Gastspiel gründete er 1985 in München die Softwarefirma „Fidelio“ für Hotelmanagement. Dort wurde eine Software entwickelt, die sich für jedes Hotel individualisieren ließ, was Müller-Elmaus Credo entspricht: “Vielfalt akzeptieren, die Individualität des Einzelnen respektieren.“

Seine Sensibilität war allerdings gepaart mit einem unglaublichen Ehrgeiz und Geschäftssinn. Er wollte die Nummer 1 werden! Die Firma „Fidelio“ war sehr erfolgreich, aber letztlich nicht seine Welt. Sie wurde in mehreren Schritten, damals bereits Weltmarktführer, von der amerikanischen Firma Micros Systems übernommen – für 55 Millionen Mark. Den größten Anteil bekam Müller-Elmau. Seit 3 Jahren gehört Fidelio Oracle und ist gut fünf Milliarden Dollar wert und beschäftigt 6.000 Mitarbeiter. Für die Elmauer war er gewissermaßen ein Verräter, der sein Geld mit Computerzeug gemacht hatte, ein entwurzelter, amerikanischer, kapitalistischer Zersetzer des Gemeinwesens. Das Hotel selbst lief in dieser Zeit immer schlechter, 1997 mußte Odoardo Mesirca, der seinerzeit von Johannes Müller auf Lebenszeit eingesetzt worden war, gehen. Seinem Vater Bernhard zuliebe verhinderte Müller-Elmau die Pleite – das Schloss wurde  nun sein Schicksal. Dietmar Müller-Elmau lüftete, entkernte, sanierte und investierte; die Millionen wurden förmlich aufgesogen.

Schloss Elmau

Mauern konnte er allerdings nicht versetzen, da er auch den Denkmalschutz berücksichtigen musste. Geistige Mauern hingegen ließen sich einreißen: neben den vielen Künstlern wurden jetzt auch Jazzmusiker eingeladen sowie Wissenschaftler, Forscher und Philosophen. In Elmau fanden wegweisende Symposien und Debatten statt. Für Müller-Elmau war es ausgesprochen befriedigend, in dieser Weise auf öffentliche Diskussionen Einfluß nehmen zu können. Schon im ersten Jahr arbeitete das 4-Sterne-Hotel, das mittlerweile zu den 5-Sterne-Hotels gehört, profitabel: 80% Auslastung und 16,5 Millionen € Umsatz! Die Familienfehden schwelten jedoch immer noch im Hintergrund.

7. August 2005 – die entscheidende Wende

An diesem Tag wurde im Schloss durch eine defekte Heizdecke ein Feuer ausgelöst, bei dem Müller-Elmau keinen Gutachter brauchte um zu wissen, dass der Wiederaufbau viele Millionen kosten würde. Mit Erleichterung stellte er fest, dass keine Menschen zu Schaden gekommen waren und er, der Enkel des Gründers von Elmau und Christoph Sattler, der Enkel des Architekten, beschlossen noch in der Brandnacht den Wiederaufbau in Angriff zu nehmen. Für Müller-Elmau wurde dieser zum Projekt seines Lebens und er empfand den Brand als „Geschenk des Himmels“ um nun endlich das Schloss nach seinen Vorstellungen gestalten und seine Visionen verwirklichen zu können. Aus dem Geisterhaus sollte ein Abenteuerparadies, in dem jeder nach seiner Façon glücklich werden sollte, entstehen.

Schloss Elmau

Die 15 qm großen Zimmer wurden in Suiten umgewandelt, es entstand ein Spa  für Familien und eins für Menschen, die die Ruhe suchen, darüberhinaus fünf Restaurants, zwei Buchläden und fünf Pools. Ursprünglich wollte Müller-Elmau etwas völlig Neues kreieren – das neue Elmau wurde ein Kompromiss. Es bewahrt die Würde des alten, schafft aber gleichzeitig eine ganz neue Transparenz und Klasse und ist ein Gesamtkunstwerk geworden.

Heute spielt nicht nur die Kultur eine große Rolle, sondern auch Wandern, Wellness, Schwimmen und Fitness, gleichberechtigt mit einem umfangreichen Programm von Kammermusik, Jazzkonzerten, Lesungen, Liederabenden und Klavierkonzerten. Der Luxus soll sich nicht über seidene Schabracken definieren, sondern über Erlebnisse, Werte, Emotionen und Wissen, die auf höchstem Niveau inspirieren. Die Magie des Ortes wirkt noch immer: die Künstler kommen, spielen ohne Honorar, können aber in dieser Zeit auf Kosten des Hauses Ferien machen.

Im Zuge des Neuaufbaus konnte Müller-Elmau auch eine Vision verwirklichen, die ihn schon lange Zeit beschäftigt hatte – der Traum eines Mannes, der eines Tages alle großen Staatschefs zu sich holen möchte. So entstand ein Anbau mit acht identischen Luxus-Suiten – das gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Und diese waren viele Jahre später sein Ass im Ärmel, als es darum ging, den G7-Gipfel im Jahr 2015 in Elmau stattfinden zu lassen.

Der Um- und Neubau hat 40 Millionen Euro gekostet, 25 Millionen hat die Versicherung bezahlt. Ebenso wie die Firma „Fidelio“ hat Elmau Branchengeschichte geschrieben!

Aus einem Ort der Weltflucht ist in unserer globalisierten Welt eine Stätte geworden, an der Natur und Kultur  immer noch eine ganz besondere Verbindung eingehen, und die Welt in ihrer Vielfalt ein gern gesehener Gast ist.

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