Analog oder digital? – Liebe und Beziehung im Wandel der Zeiten

Paar auf Bett

Noch nie war es so leicht wie zu Beginn des 21. Jahrhunderts einen Partner kennenzulernen. Es bedarf nur weniger Klicks auf der relevanten App des Handys und das Abenteuer kann beginnen.

Das Internet hat diese Entwicklung möglich gemacht, aber wir müssen uns fragen, ob eine Beziehung oder Liebe dadurch wirklich einfacher geworden ist. Das Kennenlernen der Partner ist dadurch grundlegend anders geworden, vielfältiger und bietet mehr Möglichkeiten als je zuvor. Und vor allem ist es gesellschaftsfähig geworden, auf diese Weise einen Partner aktiv zu suchen – das war nicht immer so.

Die meisten Menschen möchten nicht Single bleiben, sondern sehnen sich nach einem Partner, mit dem sie ihr Leben teilen oder sogar eine Familie gründen können. Auch heute noch träumen die Menschen von der großen Liebe, die ein Leben lang hält. Doch die Realität belehrt uns eines Besseren. Die „Kontinuitätsbiografie“ hat sich in ein „serielles Beziehungsmuster“, d.h. die „serielle Monogamie“ verwandelt. Die meisten Menschen haben im Laufe eines Lebens mehrere Partner und die Ansprüche, die an einen Partner gestellt werden, haben sich grundsätzlich verändert bzw. sind gestiegen, was sich auch durch die grundlegende Veränderung des sozialen Umfelds erklären lässt. Abgesehen davon wurden zu keiner Zeit die zahlreichen Möglichkeiten des Zusammenlebens zweier Partner jenseits der Heterosexualität in der heute gelebten Weise akzeptiert und respektiert.

Bis weit in die Neuzeit hinein war die Einstellung zur Ehe eher sachlich, was sowohl die Partnerwahl als auch die Beziehung selbst prägte. Die Ehe war in erster Linie eine Arbeitsgemeinschaft, beim Adel herrschten oft Machtinteressen vor und es handelte sich häufig meist um arrangierte Ehen. Mit dem Entstehen des bürgerlichen Standes bildete sich ein neues Ehe- und Familienideal, wobei bei diesem immer noch ökonomische Gründe eine wesentliche Rolle spielten, was sich insbesondere durch die damalige Stellung der Frau erklärt. Die bürgerliche Ehe bildet die Schwelle zwischen der ökonomisch begründeten Ehe und der modernen Liebesehe. Eine neue Qualität der Gefühlsbeziehungen zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern konnte sich ausbilden.

Neben der emotionalen Angleichung der Geschlechter bildete sich auch eine größere Differenz heraus, denn es wurde die durch das Wesen der Geschlechter vorgegebene Zuständigkeit von Binnen- und Außenbereich propagiert sowie Ungleichheit von Mann und Frau und die dadurch bedingte Abhängigkeit der Frau akzentuiert. Seit der beginnenden Industrialisierung zeichnet sich ein Trend, der sich bis in die Gegenwart zieht, ab. Die Familie wurde zur patriarchalisch geprägten Institution stilisiert. Diese sollten gesellschaftliche Oasen des Privatlebens schaffen und so die Gefahr der Zersplitterung der sozialen Strukturen durch einen übertriebenen Individualismus bannen.

Die Liebesheirat wurde insbesondere unter dem Einfluss der Romantik um 1800 zum Ideal des Bürgertums. Vor dieser Zeit war die stetige Paarbeziehung, die in aller Regel als Ehe geführt wurde, in allen Gesellschaftsschichten eine Zweckgemeinschaft – eine Vernunftehe, was sich nach 1750 zunehmend änderte.

Zuvor war eine Paarbeziehung in erster Linie ein Zweckbund: Besitz, Erbschaft und Arbeitskraft waren die Komponenten, die den Zusammenhalt gewährleisteten. Mit dem Aufkommen der Romantik wurde die Liebe mehr und mehr verklärt – eine fast unüberschaubare Unterhaltungsindustrie profitiert davon. Das bürgerliche Liebesideal von „glücklich verheiratet auf „immer und ewig“ hatte um 1900 Hochkonjunktur. Obwohl diese Werte für viele auch heute noch sehr wichtig sind, haben zwei Weltkriege und die Antibabypille, die sich in den 60er Jahren rasant verbreitete, das Leben von Paaren und Familien geradezu revolutioniert. In der Folge verdreifachte sich zwischen 1960 und 1980 auch die Scheidungsrate.

In früheren Zeiten lernte man einen Partner zumeist im engeren Umkreis kennen, im Dorf, im Freundeskreis, auf den entsprechenden Bällen etc. Nur der Adel suchte auch über die Landesgrenzen hinaus, da erstens standesgemäß geheiratet werden sollte und zweitens die politischen Interessen im Vordergrund standen. Daneben gab es auch immer die Kontaktanzeigen; in ihren Anfängen erschienen diese vor allem in den regionalen Zeitungen, die demzufolge nur von den ortsansässigen Menschen gelesen wurden. Zudem galt es in diesen Zeiten auch immer noch als merkwürdig, keinen Partner auf normalem Wege kennenzulernen.

In Zeiten des Internets hat sich dies grundlegend geändert. Nicht nur bei jungen Leuten gilt es mittlerweile als völlig normal, sich auf einem passenden Portal ein Profil anzulegen, mit dem man auch über die Ländergrenzen hinaus einen passenden Partner suchen kann. Nicht nur die Art der Partnersuche hat sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert, auch das Liebesleben in einer Partnerschaft folgt mittlerweile vollkommen anderen Grundsätzen.

Singles gehen heutzutage deutlich schneller eine feste Bindung ein, was natürlich auch darin begründet ist, dass durch Singlebörsen viel schneller passende Partner gefunden werden. Zudem gilt es auch nicht mehr als anrüchig, sich bei der Partnerwahl ein wenig Zeit zu lassen und sich erst einmal umzusehen.

Die Ansprüche an einen potentiellen Partner sind deutlich gestiegen – früher galt es in erster Linie darum einen Versorger zu finden. Dieser Grund ist in der Gegenwart vollkommen in den Hintergrund getreten, denn die Frauen gehen selbst arbeiten und die Männer sind in den seltensten Fällen auf einen Erbenangewiesen.

Die heutigen Singles sind dadurch wesentlich unabhängiger und haben wesentlich mehr Raum für ihre Selbstverwirklichung. Sie haben es einfach nicht mehr nötig allzu große Abstriche bei der Partnerwahl zu machen.

Wenn man allerdings bei der Online-Partnervermittlung seine Wünsche zu speziell ausführt, wird die Auswahl sehr stark eingeschränkt. Es ist besser, bei seiner Partnersuche ein wenig Freiraum in den Ansprüchen zu lassen, denn dadurch steigen die Chancen, den Menschen zu finden, den man sucht, erheblich. Bei der Partnersuche werden zwar erheblich schneller Bindungen eingegangen als noch vor einigen Jahren, das Heiratsalter ist jedoch deutlich angestiegen.

Nach aktuellen Statistiken lag das Heiratsalter der Männer vor einigen Jahrzehnten noch bei 28 Jahren, inzwischen bei rund 33 Jahren. Bei den Frauen ist das Heiratsalter von 26 Jahren auf durchschnittlich 30 Jahre gestiegen. Vor allem jüngere Singles prüfen die Beziehung zu einem anderen Menschen deutlich länger, ehe sie sich zu einem Ja-Wort entschließen.

Die Partnersuche in einem höheren Lebensalter ist auch insofern von Vorteil, da man über eine größere Lebenserfahrung verfügt, und die eigenen Wünsche besser kennt. Ab Ende zwanzig festigt sich die Lebenseinstellung und man kennt seine eigenen Bedürfnisse sehr genau.

In den traditionellen Ehen benötigte man in geringerem Maße eine Bindungsfähigkeit, um eine dauerhafte Beziehung führen zu können. Die mächtige Institution der Ehe galt als unauflösbar, eine Scheidung war in der sozialen Gemeinschaft bis weit in das letzte Jahrhundert hinein undenkbar und wurde vom gesellschaftlichen Umfeld entsprechend sanktioniert. Hinzu kam, dass die Ehepartner eine ökonomische Einheit waren, die man nicht auflösen konnte, da Mann und Frau aufeinander angewiesen waren.

All diese äußeren Anker sind mittlerweile weggefallen. Die sexuelle Revolution fand statt, die Emanzipation der Frau, infolgedessen das Aufbrechen der traditionellen Rollenverteilung – das Ergebnis war ein starker sozialer Wandel.

In einer Beziehung geht es heute in erster Linie um die beiden Partner selbst. Aus diesem Grund benötigen die Partner, um ihre Beziehung aufrechterhalten zu können, viel mehr Beziehungsfähigkeit und -arbeit als früher. Dies führt natürlich auch innerhalb einer Partnerschaft zu deutlichen Veränderungen, d.h. dass die Erhaltung einer Partnerschaft sehr viel Arbeit bedeutet.

Die traditionelle kontinuierliche Beziehungsbiografie treffen wir immer seltener an. Vielmehr haben die Menschen eine starke Tendenz zu den sogenannten Kettenbiografien, d.h. sie haben in ihrem Leben drei oder mehr relevante Beziehungen.

Die lange Dauer einer Beziehung spielt nach wie vor eine wichtige Rolle, aber wir wünschen uns auch eine höhere Qualität unserer Beziehungen. Sie beruhen vor allem auf Emotionen und Intimität. Man will seinem Partner vertrauen, sich auf ihn verlassen können, verstanden werden, Nähe, Geborgenheit und auch Sexualität erleben. Das ist einerseits positiv, aber auch kompliziert, denn die Beziehungsdauer konkurriert heutzutage regelrecht mit der Beziehungsqualität und wenn die Qualität nicht mehr stimmt, verliert auch die Dauer einer Beziehung an Bedeutung.

Um die Partnerschaft langfristig zu erhalten, ist in den Beziehungen viel Arbeit und Bindungsfähigkeit nötig. Das bedeutet aber auch, dass jede Beziehung wachsen und sich entwickeln kann. Das persönliche Wachstum in der Beziehung, mobilisiert auf Dauer die Bindung mit dem Partner und macht Veränderung möglich, die immer auch eine neue Qualität für die Beziehung möglich macht. Ebenso kann man aber durch sie zu der Erkenntnis gelangen, dass eine Beziehung nicht mehr funktioniert.

Die Menschen waren früher nicht glücklicher oder zufriedener als heute. – Jede Zeit hat, wie wir sehen können, dass ihr adäquate Modell! –

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